Mittwoch, 30. Dezember 2015

Cranach-Kleid - Informationen

Zum Jahresende noch, wie angekündigt, ein paar Worte zur Konstruktion meines ersten Renaissance-Kleides.
(English version after the cut)


#Idee
Ich wollte ein Renaissance-Kleid. Möglichst einfach. Möglichst regional. (Gerade fällt mir auf, dass die Farbwahl das sächsische Wappen spiegelt. Das war nicht beabsichtigt!) Trifft zu auf das sog. Cranach-Kleid. (Weitere Infos darüber gibt es in den Links am Ende dieses Beitrags.) Zusätzliche Pluspunkte: Es wird keine formende Unterwäsche benötigt (z.B. Mieder oder Weiberspeck) und aufgrund fehlender Originale ist man relativ frei in der Gestaltung.

#Schnittmuster
Keines. Ich habe mir viele Informationen im Internet angelesen und viele Bilder von Lucas Cranach angeschaut.

#Oberteil
Das Oberteil (gelbes Leinen, besetzt mit schwarzem Polyestersamt) glich zunächst einer Weste. Geschlossen wird es mit dem, was man in späteren Jahrhunderten "Stecker" nennt. Einem bestickten Stück schönen Stoffes über der Brust (goldgelber Polyestertaft. bestickt mit schwarzen Blättermotiven) und dem an dessen unteres Ende genähten Stück weißen Stoffes (Baumwolle). Den "Stecker" habe ich an einer Seite festgenäht, auf der anderen wird er mit Haken und Ösen gehalten. Über dem weißen Stoff läuft durch breite schwarze Ösen eine Zierschnürung aus schwarzem Satinband.

#Ärmel
Die Ärmel bestehen aus sechs Teilen. Drei Stücke sind aus gelbem Leinen und weitere drei Stücke aus schwarzem Samt. Die Teilstücke aus Samt sind jeweils in drei Reihen vertikal geschlitzt. Da der Stoff nicht ausfranst, war es zum Glück nicht nötig, die Schlitze zu versäubern. Die Ärmel sind etwa doppelt so lang wie meine Arme. Wenn man das Kleid anzieht, sorgen die weiten Ärmel der Chemise dafür, dass sich die geschlitzten Teile der Ärmel raffen und auspolstern lassen. Ab und zu muss man natürlich nachjustieren, weil die Ärmel bei Bewegung etwas rutschen. Um dies zu umgehen, könnte man separaten Stoff zum dauerhaften Unterfüttern und Stabilisieren auf die Innenseite der geschlitzten Teile nähen.

#Rock
Der bodenlange Rock hat etwa 3,5m Umfang. Das rechteckige Stoffstück wurde an einer Seite zusammengenäht, sodass eine "Röhre" entstand. Jedoch nicht ganz bis obenhin. Den Bund habe ich in dünne Falten gelegt und ans Oberteil genäht. Auf einer Seite überlappt der Stoff einige Zentimeter. Dort wird der Rock mit Haken und Ösen geschlossen gehalten.


Rock wird ans Oberteil genäht // Skirt is beeing sewn onto the bodice

Rockverschluss. Die Ösen der rechten Seite werden an der linken Taillenseite eingehakt. // Skirt closure. The right side can be hooked to the left side.

#Internetlinks
Hier kommen nun noch einige sehr informative Internetseiten (auf englisch), für deren Inhalt ich keine Verantwortung übernehme:
The German Renaissance of Genoveva - ein ganz toller Blog! (von dem vermutlich auch die beiden ersten Links stammen)

Der Ausflug in die Renaissance hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe mir eine riesige Menge neues Wissen über diese Epoche angeeignet und bin meinem Traum, aus jeder Zeit ein Kleid nachzuschneidern, ein Stück näher gekommen ;-)

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Außerdem ist dies mein 100. Blog-Post! :-)
In diesem Sinne:




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Freitag, 11. Dezember 2015

Renaissance ahoi! Ein Cranach-Kleid!

In diesem Jahr 2015 wäre Lucas Cranach der Jüngere 500 Jahre alt geworden. Es gibt viele Ausstellungen dazu, vor allem im östlichen Mitteldeutschland (sprich: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), von denen ich, ich gestehe, keine einzige besucht habe. Dennoch habe ich dieses Jubiläum zum Anlass genommen, mich erstmals konkreter modisch mit der Renaissance zu beschäftigen.
Es war eine spannende, lehrreiche Reise (durch das Internet) und herausgekommen ist schließlich dies:

//This year we are clebrating the 500th anniversary of Lucas Cranach the Younger. I did not visit any of the special exhibitions but I did do a lot of research on renaissance clothing online to make my first renaissance dress ever. Here it is:



Vom Schnitt her habe ich mich von den Gemälden Cranachs inspirieren lassen. Diese Art von Kleid mit verziertem Brustband und Schnürung vor dem Bauch ist hauptsächlich von Cranach-Bildern bekannt. Original erhaltene Kleider dieser Art gibt es keine. Darum nennt man es "Cranach-Kleid".

//The dress features an embellished band over the bust area and front lacing. No extant garments of this type exist. This dress is only known by painitngs of Lucas Cranach. Therefore it's often simply called the "Cranach-dress" or a "Saxon court gown" cause it's most commonly seen on noblewomen.

Zeit: frühes 16. Jahrhundert
Unterkleidung: (moderne Unterwäsche), Chemise (sehr feine weiße Baumwolle)
Kleid: Leinen (gelb), Polyestersamt (schwarz)
Brustband: Futterstoff (goldgelb), schwarz bestickt
Schnürung: weiße Baumwolle, schwarzes Satinband, versteckte Ösen
Accessoires: Haube (sehr feine weiße Baumwolle), Kette mit Kreuzanhänger (Claire's)

//Time: early 16th century
Undergarments: (modern underwear), chemise (very fine white cotton)
Dress: linen (yellow), polyester taffeta (black)
Band: lining fabric (gold), embriodered with black cotton thread
Lacing: white cottin, black satin ribbon, hidden eyes
Accessories: cap (very fine white cotton), necklace with cross pendant (Claire's)


//More information on the dress and inspiring links are hopefully coming.

Weitere Infos zum Kleid und inspirierende Links werden hoffentlich folgen ;-)
Bis dahin: Eine schöne Adventszeit!

Dienstag, 13. Oktober 2015

Poesie: Die Kastanie (Josef Festing)

Die Kastanie

Grün und stachlig hängt sie da
an dem Baum wie jedes Jahr.
Platzt dann auf die enge Hülle
sieht man sie in ganzer Fülle,
braun gefärbt mit hellem Bauch
und schön glänzen tut sie auch.

Wenn sie dann zu Boden fällt,
ist es herbstlich meist bestellt.
Jedes Kind sich danach bückt,
auch Erwachsene sind entzückt,
die Kastanie zu berühren
und sie in der Hand zu spüren.
Gicht und Rheuma hält sie fern,
auch das Rotwild mag sie gern.

Nun steh' ich unter einem Baum
und spür' den leichten Windzug kaum.
Ich heb' eine Kastanie auf,
schon nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Zärtlich reibe ich an ihr
und denk' versonnen noch bei mir:
"Kastanien find' ich einfach edel",
da knallt so'n Ding mir auf den Schädel!

(Josef Festing)

(Keine Ahnung, ob da jetzt unbedingt Kastanienbäume in diesem Wald stehen, aber es sieht hübsch herbstlich aus.)

Mittwoch, 16. September 2015

Accessoires-Update: Handschuhe

Kurzes Update!



-Schultertuch
-Handschuhe
-Muff
-Mantel/Cape
-Hauben
-Hüte (Nelidova-Kleid)
-Taschen
-Schürzen (Nelidova-Kleid)
-evtl. Strümpfe
-evtl. Strumpfbänder


(Dass ich etwas von der Liste streiche, heißt nicht, dass man nicht noch mehr davon machen kann, sondern nur, dass ich jetzt zumindest eine Ausführung besitze.)

Handschuhe, beidseitig tragbar. Nach einem Schnitt aus dem Internet. Erster Versuch.:

helle Seite, blau bestickt

blaue Seite mit umgeklappten Spitzen, sodass die blaue Stickerei zu sehen ist
Passen optimal zu einem Rock desselben blauen Stoffes (haha.). Die Handschuhe oder Armstulpen sind etwas zu groß, beim nächsten Mal mach ich sie enger. Diese Version ist eher schlicht (grobe Baumwolle, spartanisch bestickt), passt aber, wie gesagt, zum Outfit. Gefällt mir.

Sonntag, 23. August 2015

Nelidova Dress + Accessories = Pictures! (finally)

Ever since I started historical sewing, I wanted to recreate Yekaterina Nelidova's dress, worn in a painting dated 1773.
//Seit ich das Gemälde von 1773 zum ersten mal sah, wollte ich das Kleid von Yekaterina Nelidova nachschneidern.

The dress itself has been finished for nearly a year now. Still I did not take pictures of it. My idea was to mimic the painting. Therefor I needed some accessories: a hat, a lace apron, pearl earrings and a cross necklace. Yep, it took me a looong time to buy and / or make them. Finally I convinced my brother to take pictures of me in the finished ensemble. Prepare for the ultimate comparison...
//Das Kleid selbst ist schon seit fast einem Jahr fertig. Dennoch hatte ich noch keine Fotos gemacht, denn ich wollte das Gemälde möglichst genau nachstellen. Dafür fehlten noch Accessoires: ein Hut, eine Spitzenschürze, Perlenohrringe und eine Kreuzkette. Jep, es hat echt lange gedauert, die Sachen zu kaufen und / oder zu basteln. Schließlich konnte ich nun meinen Bruder dazu überreden, mich im fertigen Ensemble zu fotografieren. Hier kommt der ultimative Vergleich...




And how well I mimic her facial expression, right?
YAY! :)

I am very pleased of how it turned out. Sure it is not an exact copy of her look but a pretty decent one, I think. (And though my version is missing rocks, a spring and a sky with threatening clouds, the perspectives are alike - thanks to diffrent bushes in the background and a line of earth instead of a ditch filled with water :D)
//Ich bin sehr zufrieden mit dem Gesamtbild. Es ist natürlich keine exakte Kopie ihrer Erscheinung, aber ich denke, ich hab das ganz gut gemacht. (Und obwohl in meiner Version die Felsen, die Quelle und der Himmel voller bedrohlicher Wolken fehlen, sind die Bildachsen sehr ähnlich - dank der unterschiedlichen Büsche im Hintergrund und dem Streifen Erde anstelle eines Wassergräbchens :D)

A bit more about foundation garments and accessories and more pictures after the cut...
//Weitere Ausführungen zu Unterkleidung und Accessoires und mehr Bilder nach dem Schnitt...


Montag, 10. August 2015

Poesie: Lob der Faulheit (Gotthold Ephraim Lessing)

Lob der Faulheit

Faulheit jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied bringen.
O - wie - sau - er - wird es mir, -
Dich - nach Würden - zu besingen!
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut, wer Dich nur hat,
Dessen ungestörtes Leben -
Ach! - ich - gähn - ich - werde matt -
Nun - so - magst du - mir's vergeben,
Dass ich Dich nicht singen kann;
Du verhinderst mich ja dran.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Heute ist Tag der Faulheit!

Donnerstag, 6. August 2015

My basic guidelines for sewing // Meine Richtlinien fürs Nähen

I have a few rules for sewing, set up after some (mostly bad) experiences.

#1 Never let the pin box open
Never. It will fall down. It will. It always does. Or you will step into it. Anyways, you will end up kneeling on the floor, cursing and collecting pins.

#2 No chocolate while sewing
It will spoil the fabric no matter how carefully one tries not to crumble with the sweets. Same applies for salty, fatty, juicy... well, basically for every kind of food. But mostly for chocolate.

#3 No new projects after 10pm
(That rule does not apply during holidays when one goes to bed about 3am and sleeps till 2pm.)
That is to prevent mistakes caused by negligance (esp. cutting the fabric wrong) when one is tired.


#1
#2
#3


//Nach einigen (schlechten) Erfahrungen beim Nähen haben sich ein paar Regeln als sinnvoll herausgestellt.

#1 Niemals die Nadeldose offen stehen lassen
Niemals. Sie wird runterfallen. Ganz sicher. Sie fällt immer runter. Oder man stößt dagegen, tritt hinein... Wie auch immer, man endet kniend und fluchend auf dem Boden.

#2 Keine Schokolade beim Nähen
Man kriegt Flecken auf den Stoff, egal wie sehr man versucht, nicht zu krümeln. Die Regel gilt auch für salzige, fettige, saftige... eigentlich für sämtliche Speisen. Aber hauptsächlich für Schokolade.

#3 Keine neuen Projekte nach 22 Uhr
(Diese Regel gilt nicht zur Ferienzeit wenn man um 3 Uhr ins Bett geht und erst um 14 Uhr aufsteht.)
Dadurch sollen Fehler vermieden werden (v.a. beim Zuschneiden), die durch Unachtsamkeit aufgrund von Müdigkeit entstehen.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Noch mehr Ideen: Accessoires

Mir kamen folgende Gedanken:
1.) Wenn ich meine aktuellen Rokoko-Kleider fertiggestellt habe, habe ich eine recht gute (natürlich noch ausweitbare) Basis an Rokokokleidern.
2.) Abgesehen von den Kleidern besitze ich so gut wie keine Accessoires, mit denen man den Kleidern Leben einhauchen könnte.
3.) Kleinere Projekte wirken irgendwie ... kleiner und ermutigen mich daher zum beständigen Arbeiten (so die Theorie), wohingegen z.B. meine Brunswick aufgrund ihrer Komplexität mich gerade in den Wahnsinn treiben würde und deswegen pausiert.
4.) Accessoires erfordern nicht nur reines Nähgeschick, sondern vor allem in der Vorbereitung ein hohes Maß an Kreativität, evlt. anderen Handarbeitstechniken (z.B. Sticken) und stilistischen Fragen, die vorab beantwortet werden sollten. Das heißt, dass ich mein Wissen ausweiten muss auf ganz vielen Bereichen. Das wiederum bedeutet: Vielfalt und Abwechslung in meinem Lieblingshobby :-)

Fazit: Ich brauche Accessoires für das 18. Jahrhundert! Die ganze Palette, bitte! Das wären mindestens folgende:

-Schultertuch
-Handschuhe
-Muff
-Mantel/Cape
-Hauben
-Hüte
-Taschen
-Schürzen
-evtl. Strümpfe
-evtl. Strumpfbänder

So viel dazu. Ein kleines, dreieckiges Schultertuch habe ich bereits umsäumt, ich plane aber eine komplexere Stickerei. Und vielleicht ein größeres Schultertuch. An zwei Bergère-Hüten arbeite ich ab und zu nebenbei. Für alles andere muss ich nun recherchieren!
Aber was heißt "nun"? Die hauptsächlichen Recherchen widmen sich noch einige Tage lang meiner Bachelorarbeit. ;-)

Montag, 15. Juni 2015

So viele Ideen, so wenig Zeit

Ich habe noch exakt vier Wochen Zeit für meine Bachelorarbeit. Das schaff ich, wenn ich weiterhin so gut arbeite wie bisher. In den Stunden, in denen ich nicht schreibe, ersinnt nun aber mein überarbeiteter Geist lauter historische Kleider, die ich am besten unbedingt sofort nähen muss. Damit das nicht ausartet, werde ich alle bisherigen unfertigen und geplanten Projekte hier mal ordnen (nicht nach Priorität).

#1 Brunswick 1770er
Schon vor einem halben Jahr begonnen und dann nicht weiter gemacht. Ich hoffe, sie wird zum nächsten Winter fertig - ist ja ein Kleidungsstück für die kalte Jahreszeit.
Stoff: Polyestersatin, hellblau. Wirkt sehr edel.
Schnittmuster: Als Basis dient mir der JPRyan Pet-en-l'air Schnitt.
Bisher sieht das ganze so aus (den passenden Rock habe ich nicht fotografiert):
Eine frühe Anprobe - Weste mit Kapuze, darüber Pet-en-l'air-Jacke nach dem JPR Schnitt. Dies ist mein erster Versuch eines en-francaise-Schnittes und er ist dank der schönen Schnittanleitung recht gut gelungen.

JPR Pet-en-l'air Rückansicht. Links mit großen Ärmelvolants, rechts mit kleinem. Ich kann mich noch nicht entscheiden, was besser wirkt.

JPR Pet-en-l'air Vorderansicht. Man sieht, dass noch überall Nadeln stecken... Ich glaube die vielen Volants wirken vielleicht doch besser...

Weste ohne Schnittmuster. Einzeln macht sie noch nicht viel her. Es kommen noch lange Ärmel aus blauem Stoff hinzu und sie wird mit Knöpfen verschlossen. Außerdem mach ich die Kapuze (die echt gigantisch ist und mich daher an Kenny von Southpark erinnert) noch etwas hübscher.


#2 Tageskleid 1920er
Ich konnte mich bisher nicht für die 1920er begeistern. Das änderte sich, als ich in einem Modebuch das folgende Kleid sah.

V&A
Dank dieses Kleides werde ich mich früher oder später modisch in die 1920er Jahre wagen. Einen Charleston-Tanzkurs mache ich derzeit schon ;-)


#3 Badekostüm 1890er
Vor bestimmt einem Jahr habe ich mir schon das Folkwear-Schnittmuster gekauft. Seit dem liegt es in der Schnittmusterkiste und ich schaue es mir ab uns zu mit verklärtem Blick an. Ob ich es schaffe, mir ein Badekostüm zu nähen bevor die aktuelle Badesaison vorbei ist? Wir werden sehen.

#4 Kleid im 1950er-Jahre-Schnitt für eine Freundin
Nachdem ich mit meinem Star Wars Kleid in die Uni gekommen war, bekam ich sofort den Auftrag, einer Freundin ebenfalls ein Kleid zu nähen ;-) Stoff ist schon gekauft, aber das Nähen muss warten, bis ich meine Bachelorarbeit vorgestellt habe (morgen). So ist die Abmachung.


#5 etwas aus dem rosafarbenen Stoff
Das, was mich momentan am meisten beschäftigt. Was macht man nur aus diesem wundervollen Stoff?

Es ist nicht leicht, die Farbe so wiederzugeben, wie sie in echt ist. So müsste es ziemlich ähnlich sein.
Normalerweise kaufe ich Stoff, wenn ich weiß, dass ich ihn für ein konkretes Projekt brauche. In diesem Fall war es ein Spontankauf. Verständlich bei 3€/m. Ich kaufte den ganzen noch vorhandenen Rest und bekam so für 9€ 3,20m. Der Stoff ist ein Polyester-Viskose-Mischgewebe, ziemlich fest, aber trotzdem weich und er wirkt sehr edel. Zudem fühlt er sich überhaupt nicht plastikmäßig an, sondern einfach toll!
Was soll ich nur daraus machen? Es muss etwas sein, das die Schönheit des Stoffs zur Geltung bringt! Am liebsten hätte ich ein Rokoko-Ensemble, aber es sind ja nur 3,2m... Hach. Dieser Stoff ist noch einen eigenen Blogpost wert...

Das war's fürs erste an Projekten, die ich in hoffentlich naher Zukunft bearbeiten kann. Die unmittelbar bevorstehende Zukunft widmet sich der Präsentation für meinen Vortrag morgen.

Montag, 4. Mai 2015

May the 4th be with you!

Happy Star Wars Day!

I managed to finish my first "normal" dress on this day. And it is... Star Wars inspired!
Here's my inspiration costume:
via The Padawan's Guide to Star Wars Costumes
Padme wears this outfit in episode 1 on Tatooine, where she is undercover and therefore not wearing overraged fantasy princess dresses. I've always liked this look of her.

I have a pattern for a 1950s/60s style swing dress I wanted to try for years now. Fortunately it fits me pretty darn well. And fortunatly I got all the materials, which are:

# 2,50m prewashed grey linen (! store-bought! gorgeous idea! I could start right away) 9,90€/m
# some grey-blue cotton leftover from stash
# black velvet circle from stash
# a biiig red button
# thread 
(a lot, because my sewing machine had a bad day and ate like half of the reel for nothing),

on Saturday so I could sew on Sunday and I made this:

excuse the webcam photos

I am sooo happy how it turned out! Because it is a dress I can actually wear everyday, for university and for swing dance events, but it is still nerdy and Star Wars - themed! I mean, how cool is that!?

side view
back view
My brother thinks it looks like R2D2 (just because of the red button on the belt...), but in my eyes it's truly Padme-inspired. Which I love.

circle skirt *-*
May the 4th be with you!

Donnerstag, 23. April 2015

Poesie: Der Termin (Eugen Roth)

Der Termin

Ein Mensch, der sich, weils weit noch hin,
Festlegen ließ auf den Termin,
Sieht jetzt, indem die Wochen schmelzen,
Die schwere Last sich näher wälzen.
Er sucht nach Gründen, abzusagen,
Er träumt, noch in den letzten Tagen,
Wie einst als Schulbub, zu entwischen:
Ein schwerer Unfall käm dazwischen ...
Umsonst - es bleibt ein leerer Wahn:
Der schicksalsvolle Tag bricht an! -
Und geht dann doch vorüber, gnädig.
Der Mensch ist froh, der Sorgen ledig.
Er schwört, er hab daraus gelernt -
Doch wie sich Tag um Tag entfernt,
Hat Angst und Qualen er vergessen -
Und lässt sich unversehens pressen
Zu noch viel scheußlicherm Termin -
Denn es ist weit und weit noch hin.

Eugen Roth (1895-1976)

Freitag, 13. März 2015

Gewissenskonflikt

Seit Tagen beschäftigt mich die folgende Frage:

Erhalten oder erneuern?

Es geht um mein allererstes Nähprojojekt überhaupt. Ein "Rokoko"-Ensemble. Ohne Vorkenntnisse genäht. Kein Schnittmuster, kein Schnürleib. Maschinennähte (und die auch noch schief), ungefüttert und ein Stecker aus Pappe.
2011 war ich hellauf begeistert davon. War ja auch gut für ein Anfängerprojekt. Heute habe ich jedoch viel mehr Hintergrundwissen und Erfahrung mit historischen Kostümen. Das Kleid in seiner jetzigen Form würde ich niemals wieder anziehen. Dabei gefällt mir das Konzept nachwievor sehr gut. Was tun?

Meine Archäologen-Seele vertritt die Einstellung:

 Erhalten. Bewahren. Erinnern. Es ist mein erstes Nähprojekt und man kann so wunderbar die Entwicklung von damals bis heute sehen.

 
 Meine pragmatische Vernunft-Seite sagt hingegen: 

 4 Meter Stoff, die ungenutzt rumliegen und Platz wegnehmen - das ist dumm. Mit meinen jetzigen Skills könnte ich daraus das Ensemble nähen, das es von Anfang an werden sollte. Zudem ist es total historisch korrekt, wenn man alte Sachen umschneidert.

Aber wenn ich mich dann daran erinnere, mit wie viel Begeisterung ich es genäht und getragen habe...


 Ich werde weiter darüber nachdenken. Im Moment habe ich genug zu tun mit Praktikum, Hausarbeiten, Bachelor-Arbeit, anderem Unikram und dem Versuch, eine Brunswick zu nähen (dazu vielleicht später mehr).

Montag, 2. Februar 2015

Poesie: Der Tod (Gotthold Ephraim Lessing)

Der Tod

Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
Gestern bei dem Saft der Trauben,
(Bildet euch mein Schrecken ein!)
Kam der Tod zu mir herein.

Drohend schwang er seine Hippe,
Drohend sprach das Furchtgerippe:
Fort, du reurer Bachusknecht!
Fort, du hast genug gezecht!

Lieber Tod, sprach ich mit Tränen,
Solltst du dich nach mir sehnen?
Siehe, da steht Wein für dich!
Lieber Tod verschone mich!

Lächeld greift er nach dem Glase;
Lächelnd macht ers auf der Base,
Auf der Pest, Gesundheit leer;
Lächelnd setzt ers wieder her.

Fröhlich glaub' ich mich befreiet,
Als er schnell sein Drohn erneuet.
Narre, für ein Gläschen Wein
Denkst du, spricht er, los zu sein?

Tod, bat ich, ich möcht' auf Erden
Gern ein Mediziner werden,
Lass mich: Ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafür.

Gut, wenn das ist, magst du leben;
Ruft er. Nur sei mir ergeben.
Lebe, bis du sattgeküsst,
Und des Trinkens müde bist.

O! Wie schön klingt dies den Ohren!
Tod, du hast mich neu geboren.
Dieses Glas voll Rebensaft,
Tod, auf gute Brüderschaft!

Ewig muss ich also leben,
Ewig! denn, beim Gott der Reben!
Ewig soll mich Lieb' und Wein,
Ewig Wein und Lieb' erfreun!

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) 


 Musikalische Interpretation:


Mittwoch, 21. Januar 2015

Verwaltung in Deutsch-Südwestafrika


Mal wieder etwas aus der Uni, zum Thema Deutsch-Südwestafrika als Kolonie um 1900.

Verwalten und Herrschen in Metropole und Peripherie:
Zentral- und Lokalverwaltung

Ziel der Deutschen?
- Europäische Staatlichkeit auf Afrika übertragen, in der Annahme, die dortige Gesellschaft zu zivilisieren
Problem?
- Afrika hatte ein eigenes politisches System, das auf die Herrschaft über Personen setzte und sich vom deutschen Prinzip (Landbesitz = Macht) stark unterschied.
Großes Land, weite Flächen > Die Deutschen kooperieren zunächst mit afrikanischen Stammesführern um auf afrikanische Weise Kontrolle über die nomadische Bevölkerung zu erlangen.

Wieso wird das Ziel der deutschen Staatlichkeit nicht erreicht?
- Deutsch-Südwest-Afrika hat keine zentrale Verwaltung!

Wie ist die deutsche Verwaltung aufgebaut?
  • Reichsregierung in Deutschland ist sehr weit weg
  • Gouverneur als Vertreter dieser vereint zivile und politische Macht in Afrika, Sitz in Hauptstadt Windhuk
  • Bezirksmänner und Stationsleiter verwalten entferntere Städte
  • Wenig Kontakt zwischen Verwaltern führt zu sog. Sub-Imperialismus
  • Private Organisationen (z.B. Missionsstationen) haben eigene Verwaltungsapparate
> Die wenigen Verwaltungsstationen im Innern waren ‚Inseln der Herrschaft‘ (Michael Pesek), die oft nur mühsam den Schein der Autorität aufrechterhielten.“ (Sebastian Conrad, Deutsche Kolonialgeschichte, S.45)

Keine Machtakzeptanz bei den Afrikanern     > Gewalt       > Zeichen für Schwäche des Staates!



Literatur:
CONRAD, Sebastian, Deutsche Kolonialgeschichte, München2 2012.