Dienstag, 19. März 2013

Poesie: Rezept für ein Jahr (Catharina Elisabeth Goethe)

Rezept für ein Jahr

Man nehme 12 Monate,
putze sie sauber von Neid,
Bitterkeit, Geiz, Pedanterie
und zerlege sie in 30 oder 31 Teile,
so daß der Vorrat für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird einzeln angerichtet
aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge 3 gehäufte Eßlöffel Optimismus hinzu,
1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie
und 1 Prise Takt.

Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man
mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit Heiterkeit.

Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808), Mutter von Johann Wolfgang v. Goethe

Montag, 4. März 2013

Kampf gegen den Polyestertaft 2 - Das Re-Match

Mit Mamas Hilfe geht's einfach besser als allein! Beim Abstecken des Saums meinte sie nur, das ginge so gar nicht. Woraufhin ich die ohnehin nur provisorische Seitenaht auftrennte und sie von Mama neu stecken ließ. Noch ein oder zwei Verbesserungsmaßnahmen meinerseits und wir kommen (ungenäht) zu folgendem Ergebnis:

Gefällt mir besser als vorher.
Merke für's nächste Mal: Wenn das Pokissen bis zu den Hüften reicht, muss auch das Vorderteil eines Rockes angepasst werden!!! (Auf Mamas Anraten hin binde ich nun das Vorderteil zuerst, dann kommt das Po-/Hüftkissen, und dann wird der hintere Teil um die Taille gebunden. Nicht sehr elegant, doch wenigstens muss ich nichts neu zuschneiden.)

edit: Foto:
man sieht das nicht, wenn das Kleid angezogen ist


Samstag, 2. März 2013

"Sissi - Das Musical" in Wolfsburg - Kritik

Gestern (Freitag, 1. März) startete um 20 Uhr im Congresspark in Wolfsburg die Vorführung des Musicals "Sissi".
Die Idee kam aus China, es ging nicht darum, das Leben der Kaiserin Elisabeth darzustellen (wie im Musical "Elisabeth"), sondern die Filme aus den 1950ern mit Romy Schneider auf die Bühne zu bringen. Deshalb fiel es Fans auch nicht schwer, Filmzitate herauszuhören.
Ausverkauft? Nein. War aber ganz gut, so konnte ich mich einfach auf einen anderen Platz setzen. Der ursprüngliche Platz 9 in Reihe 26 war nämlich genau neben dem Mischpult für Licht/Ton, und die Lüftung pustete mir ins Gesicht.
Machen wir's mal stichpunktartig:

**** Kostüme: schön. ähnelten den Filmkostümen.

***** Bühnenbild: sehr schön. Häufig wurden Bilder der Originalschauplätze (Schloss, See, etc.) auf eine Leinwand projiziert, was einen ganz hübschen Effekt hatte. Die Möbel waren authentisch. Auch der Umbau und das Darstellen verschiedener Schauplätze mit wenig Aufwand gelangen gut.

*** Choreographie: Die Tanzeinlagen, ob ungarischer oder bayrischer Volkstanz oder ein Walzer bei Hofe, waren nicht schlecht. Die Tänzer haben sich Mühe gegeben, der Choreograph hätte es besser machen können.

** Musik: Zugegeben, singen konnten alle Darsteller. Ein Orchester gab es nicht, sie sangen Playback zu annehmbaren Klängen (klassische Musik, gelegentlich mit etwas moderneren Beats hinterlegt).
Laut Programm hat sich der Komponist selbst übertroffen und ist ein Genie. Davon habe ich nichts gemerkt. Es gab genau EIN einziges Lied, was ich hörenswert fand (das Duett von Sissi und Graf Andrassi direkt nach der Pause). Alle anderen Lieder klangen irgendwie ähnlich, hatten keine richtige Melodie und Spannung wurde auch nicht aufgebaut.

* Liedtexte: Ja, die Texte bekommen einen eigenen Punkt, denn sie waren noch schlechter als die Musik. Unterstes Schlagerniveau, reim dich oder ich schlag dich. Herz? Schmerz. Ähnlich vorhersehbar waren alle Reime. Es war furchtbar, wenn man auf en Text geachtet hat.

Fazit: Sehr seichte Unterhaltung mit lachhafter musikalischer Untermalung. Wenn man seine Ansprüche gleich zu Beginn auf das niedrigste Niveau senkt, wird man aber nicht enttäuscht werden.